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Essbare Stauden für Gourmets

Bild: GMH/Bettina Banse

Hübsch, nützlich – und essbar! Erstaunlich viele Gartenstauden punkten mit Mehr- und Nährwert. Bei einem Rundgang durch den Garten zeigt sich, dass viele beliebte Stauden über essbare Pflanzenteile verfügen. 

GMH/BdS) Attraktiv sind sie ja, die vielen prachtvollen Stauden mit ihren bunten Blüten oder eleganten Blättern. Nützlich auch, etwa als Bienenweide, Unkrautunterdrücker und Klimaverbesserer. Aber auch noch lecker?! Und ob, bestätigt Cornelia Häussermann von Häussermann Stauden + Gehölze. "Essbare Stauden sind in unse-rer Gärtnerei immer wieder ein Thema. Wir haben dazu sogar zwei Kundenbroschüren erstellt und auch schon Verkostungen angeboten."

Knackig und praktisch: Bei Taglilien fällt die Ernte leicht, denn jede Blüte öffnet sich nur für einen Tag. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Kraftvoll: Die herrlichen Blüten der Stockrose verleihen Teemischungen eine schöne Farbe und helfen gegen Hustenreiz. Ihre Samen sind eine leckere Knabberei. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Überraschungsmomente dürften dabei garantiert sein, denn auch wenn viele Stauden zum Anbeissen aussehen, wörtlich nehmen dies bislang noch wenige Pflanzenfans. "Wobei diejenigen, die sich für essbare Stauden interessieren, sie vermutlich auch nicht unbedingt zu Selbstversorgungszwecken anbauen", meint Cornelia Häussermann mit einem Augenzwinkern. "Was zählt, ist der Spassfaktor! Beim Rundgang durch den Garten einfach mal hier und da eine Blüte oder ein paar Blättchen zu vespern, oder Freunde mal zu einem ganz besonderen Essen einzuladen – das macht den Reiz aus!"

Zum Anbeissen: Wer es übers Herz bringt, seinen Phlox zu plündern, kann möglicherweise nicht mehr damit aufhören. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Trendsetter: Bärlauch ist ein wahres Aromawunder – und im eigenen Garten angebaut deutlich sicherer als aus Wildsammlungen. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Augen- und Gaumenfreuden

Die Auswahl im heimischen Garten ist überraschend gross: Neben Küchenkräutern sowie Wildkräutern wie dem Gänseblümchen ste-hen auch zahlreiche Prachtstauden und Blattschmuckstauden auf der potenziellen Speisekarte, etwa Phlox, Glockenblumen, India-nernesseln und Hohe Fetthenne. An schattigeren Plätzen verfüh-ren Funkien, Duft-Veilchen, Gefleckte Taubnessel und Mädesüss zum Kosten.

Durch und durch eindrucksvoll: Sich an der schönen Optik und fliegenden Besuchern erfreuen oder doch lieber verspeisen? Bei Artischockenblüten (Cynara scolymus, C. cardunculus) fällt die Entscheidung schwer. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Willkommener Wegelagerer: Auch die Thüringer Strauchpappel (Althaea officinalis) geizt nicht mit ihren essbaren Blüten. Ein wunderschöner Blickfang in naturnah gestalteten Gärten. (Bild: GMH/Bettina Banse)

"Natürlich immer vorausgesetzt, man ist sicher, um welche Pflan-zenart es sich handelt", ergänzt die Staudenexpertin. Wobei das ein entscheidender Vorteil des eigenen Gartens ist: Hier kann ge-zielt gepflanzt und auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Bär-lauch aus eigenem Anbau etwa ist eine gute Alternative zum Sam-meln im Wald, wo es immer wieder zu Verwechslungen mit den gif-tigen Maiglöckchen und Herbstzeitlosen kommt.

Extra-Kick: Indianernesseln liefern auch im Spätsommer noch unzählige Blüten – für Insekten oder verzuckert für leckere Desserts. Dazu passt rosafarbener Phlox, im Beethintergrund ebenso wie auf dem Teller. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Elfengleich: Ob man nach dem Genuss solch zarter Blüten auch mit Naturgeistern sprechen kann? Ein Genuss sind Glockenblumenblüten auf jeden Fall und somit unbedingt einen Versuch wert. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Vielseitig einsetzbar

Wenn in Restaurants Stauden kredenzt werden, dann handelt es sich meist um Blüten – entweder pur als Dekoration und Salatbei-gabe oder als kandiertes Naschwerk zum Dessert. Tatsächlich sind jedoch bei vielen Arten auch die Blätter oder Stängel geniessbar – roh oder wie Gemüse gedünstet, gebraten oder frittiert. Die selte-ne Verwendung ist sicherlich auch dadurch bedingt, dass zumeist der frische Austrieb empfohlen wird, und gerade in diesem Stadium dürfte die Ernte vielen Pflanzenfreunden schwerfallen.
Cornelia Häussermann hat jedoch auch hierzu einen Tipp: "Rezep-te mit Stauden einfach dann ausprobieren, wenn ohnehin Pflan-zenmaterial anfällt!" Bei Funkien zum Beispiel, wenn diese geteilt werden müssen – einfach ein Teilstück in einen Topf setzen und von den frisch austreibenden Blättern ernten. Bei Astern, Sporn-blume oder Katzenminze kann man zugreifen, wenn sie Ende Mai zurückgeschnitten werden, um einen buschigeren Wuchs und/oder eine spätere Blüte zu erzielen. "Und Taglilienblüten halten ohnehin nur einen Tag – wer erst spätnachmittags erntet, verpasst also na-hezu nichts und ist um eine spannende Erfahrung reicher."

Violette Versuchung: Die Blüten der Ballonblume verlangen geradezu danach, gefüllt zu werden. Zum Dessert kommen sie dann in kandierter Form auf den Tisch. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Zartes Parfum: Die Blüten der Duft-Veilchen schmecken so himmlisch wie sie duften. Kandiert sind sie eine wundervolle Deko für Torten, Cupcakes und Desserts. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Rezepttipp: Lavendel-Sirup

● 1 l Wasser
● 1 Bio-Zitrone
● 4-5 Handvoll Lavendelblüten (Lavandula angustifolia)
● 1 kg Zucker
Wasser zum Kochen bringen, Lavendelblüten (müssen nicht ein-zeln vom Stiel gezupft werden!) und in Scheiben geschnittene Zit-rone zugeben und kurz aufkochen. Kühl stellen. Nach mindestens 24 Stunden Ziehzeit durch ein sauberes Küchentuch abseihen, mit dem Zucker aufkochen und heiss in sterile Flaschen abfüllen. Köst-lich mit kaltem Wasser oder Sekt aufgefüllt!
Extra-Tipp von Staudengärtnerin Cornelia Häussermann
"Jede Sorte schmeckt anders! Am intensivsten schmecken blaue Lavendelsorten, allen voran die Sorte ’Hidcote Blue‘. Das schönste Blau erzeugt unserer Erfahrung nach die Sorte ’Dwarf Blue‘."

Exotischer Genuss: Die Blätter des Hopfen-Oreganos (Origanum rotundifolium) verleiht Pizzasauce ihr typisches Aroma, die Blüten sind eine extravagante essbare Dekoration. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Frühaufsteher: Das Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), auch bekannt als Geflecktes Lungenkraut, steuert zum Frühlingssalat junge Blätter und Blüten bei. Um es nicht mit anderen Arten zu verwechseln, nur aus dem Garten verwenden. (Bild: GMH/Bettina Banse)

Rezepttipp: Taglilienblüten mit Frischkäsefüllung

● 100 g Frischkäse
● 100 g Schmand
● 1 gehackte Knoblauchzehe
● gehackte Kräuter (z. B. Petersiliengrün sowie Blätter und Blüten von Schnittlauch, Borretsch, Kapuzinerkresse)
● Taglilienblüten (Zahl je nach Grösse)

Taglilienblüten "entkernen" (Stempel und Staubgefässe entfernen). Übrige Zutaten verrühren und die Masse kräftig salzen, dann in die Blütenkelche füllen.

Weiterführender Link: www.stauden.de

Pflanzennamen botanischer Name nutzbare Pflanzenteile Verwendung
Flammenblume Phlox Blüten pur oder kandiert
Glockenblume Campanula, z.B. C. persicifoliaC. lotifolia, C. glamerata, C.
rotundifolia, C. trache/ium, C.
 cochleariifolia
ganze Pflanze junge Triebe wie Spargel,
junge Blätter als Salatbeigabe,
Wurzel im Herbst/Winter als Salatbeigabe oder gekocht
Tagliie Hemerocallis Knospen, Blüten pur, in Salaten, gedünstet,
Knospen auch getrocknet in
Suppen
Indianernessel Monarda Blüten pur als Würze für Herzhaftes; pur oder kandiert für Desserts
Katzenminze Nepeta x fassenii Bläter, Blüten Blätter für Salate, Blüten für
Kräuterquark und Desserts
Hohe Fetthenne Sedum telephium Blätter, Triebspitzen als Salatbeigabe, als Gemüse
Funkie Hosta furtunei, H. plantaguinea, H. sieboldii Blätter, Knospen, Blüten Junge Blättre wie Spinat, Knospen frittiert, Blüten blanchiert, frittiert oder kandiert
Duft-Veilchen Viola odorata Blätter, Blüten Blätter ohne Stiel für Salat, Blüten pur oder kandiert für Süsses.
Taubnesseln und Goldnessel Lamiummaculatum, L. orvala,
Lamiastrum galeobdolon
Blätter, Triebspitzen, Blüten Grünes in Salaten und
Gemüsegerichten, Blüten als
essbare Deko
Mädesüss Filipendulau lmaria, F. vulgarisI ganze Pflanze Blüten für Säfte und Desserts
oder als Tee, Wurzeln und
Triebe von Herbst bis Frühjahr
in Gemüsegerichten
Bärlauch Allium ursinum Blätter, Blüten Blätter für Pesto, Quark,
Kräuterbutter,
Gemüsegerichte ... Blüten als
essbare Deko
Nelken Dianthus carpophyllus, D. 
barbatus, D. plumarius
Blüten (bittere Kelchblätter entfernen) kandiert oder pur für Desserts
Steppen-Salbei Salvia nemorosa Blätter, Blüten Blätter als Tee oder Gewürz,
Blüten als essbare Deko
Bergminze Cafamintha nepeta Blätter, Blüten als Tee oder Gewürz
Aster Aster alpinus, A. amellus, A.
linosyris, Aster laevis, A. novae-angliae
Blätter, Blüten  
Stochschnabel Geranium protense, G. pusillum, G. sylvaticum Knospen, Blüten als Salatbeigabe
Rote Spornblume Centranthus ruber Blätter, Knospen, Blüten als Salatbeigabe
Stockrose und diverse weitere
Malvengewächse
z.B.Alcea rosea, Lovotero, junge Blätter , Blüten, junge Samen Blätter als Salatbeigabe, Blüten kandiert oder für Tees, Samen pur
Ballonblume Platycodon grandiflolrum Blüten pur, kandiert oder gefüllt
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