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Terrassen richtig bepflanzen

Der frühe Frühling animiert viele Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner sich mit der Bepflanzung der Balkone und Terrassen zu befassen. In der Regel ist in diesen eher geschützten Bereichen, der Frühling nochmals etwas früher.

Garten.ch hat an der Giardina Patrick Daepp getroffen und ihm ein paar Fragen zur Pflanzenauswahl für die Terrassen gestellt.

Welche Pflanzen für die Terrasse liegen im Trend?

Patrick Daepp stellt fest, dass seit zwei Jahren alles boomt, was essbar ist. Das reicht von Küchenkräutern, Gemüse, Beeren bis zu Obst. Auch die Kombination von Essbarem mit Stauden und einjährigen Blumen ist sehr beliebt.  Es existiert eine grosse Experimentierfreude in der Kombination von Zierpflanzen, Gemüse und Obst. Obst lässt sich gut mit Zwiebeln von Frühjahrsblumen, Stauden und Kräuter kombinieren. Die Unterpflanzung sorgt zudem für ein besseres Mikroklima, Beschattung der Erde, höhere Luftfeuchtigkeit und bildet eine Nahrungsquelle für Insekten.

Bild garten.ch: Kräuter und Stauden als Unterpflanzung bei Obst

Auf was muss man achten bei Miniobst auf dem Balkon?

Bei Apfel, Birnen oder Steinobst ist unbedingt auf eine genügende Grösse des Pflanzgefässes zu achten. Ab 50 Liter ist man dabei. Wichtig ist das grössere Erdvolumen auch im Hinblick auf den Wasserhaushalt. Töpfe gelten als Extremstandorte. Einschneidend ist der Wassermangel bei starker Besonnung und an Wind exponierten Lagen.

Welche Pflanzen sind neu winterhart in Folge des Klimawandels?

Durch den Klimawandel verändert das Spektrum der winterharten Pflanzen. Rosmarin beispielsweise lässt sich in mit Styropor isolierten Töpfen an geschützten Stellen auf der Terrasse überwintern. Ein Aspekt ist der Windchill Faktor. Wind kühlt weiter ab und fördert die Verdunstung. Es ist daher unumgänglich die Pflanze auch im Winter mit genügend Wasser zu versorgen. Sonst könnte der Fall eintreten, dass die Pflanze zwar der Kälte widersteht, jedoch in Folge Wassermangel verdurstet.

Ähnlich sieht die Situation bei Hanfpalmen und Oleander aus. In den meisten Fällen überwintern diese Pflanzen, wenn es nicht mehrere Tage unter 10° Minus ist. Kürzere Fröste oder auch Schnee überleben die Pflanzen. Bei einem Jahrhundertfrost, wenn mehrere Tage Minus 15° herrscht, überleben Palmen und Oleander nicht. Man beginnt dann wieder bei null. Zieht man in Betracht, was neue Pflanzen und eine Überwinterung kosten, so kann man dieses Risiko eingehen.

Noch nicht soweit ist es bei den Oliven. Von den bei uns verbreiteten mediterranen Pflanzen sind diese am empfindlichsten auf Frost. Auch hier stellt sich die Frage, wieviel Risiko man eingehen will. Auf einer Loggia, die nur gegen Vorne geöffnet ist im hinteren Bereich platziert, allenfalls in einem Temporären Gewächshaus aus Plastikfolie, ist die Chance gross, dass auch diese Pflanze mit diesem Schutz überwintert.

Bild garten.ch: Die Vielfalt der Pflanzen ist gross: Kräuter, Stauden, Beeren, Obst, Gemüse

Welchen Pflanzenschutz braucht es bei Terrassenpflanzen?

Da es sich bei der Lage der Pflanzen in Töpfen um Extremstandorte handelt ist besondere Sorgfalt beim Pflanzenschutz geboten. Ein Vorteil der Pflanzen auf Terrassen ist, dass sie nahe beim Menschen sind und häufig besucht werden. Damit kann man allfällige Krankheitsausbrüche oder einen Schädlingsbefall frühzeitig erkennen. Wenn es sich um kleine Partien handelt, kann man diese durch Rückschritt entfernen. Raupen lassen sich von Hand ablesen.  Bei grösseren Schadensvolumen stehen verschiedene biologische Spritzmittel zur Verfügung. Wichtig ist, dass man die Anweisungen der Hersteller befolgt. Bei starker Besonnung können beispielsweise auch bei Spritzmittel auf Schmierseifenbasis Verbrennungen auf den Blättern entstehen.

Auf was muss ich bei der Pflanzung von Gemüse auf der Terrasse achten?

Gemüse braucht viel Wasser. Hier empfiehlt sich ein Aussenanschluss für das Wasser auf der Terrasse oder Pflanzkübel mit Wasserreservetank. In der Regel ist die Bewässerung kein Problem, bis man in die Ferien fährt. Im Sommer ist gleichzeitig auch die anspruchsvollste Zeit bezüglich der Bewässerung. Je nach Lage sind tägliche Wassergaben unabdingbar. Hier ist eine solidarische Nachbarschaft nützlich oder verlässliche Bewässerungssysteme. Allerdings können letztere auch aussteigen durch technische Mängel. Will man sichergehen, so ist ein Kontrollgang alle zwei Tage durch eine Person unumgänglich.

Bild garten.ch: Für Obst in Töpfen gibt es spezielle schwachwachsende Züchtungen, meistens als Säulenobst oder Miniobst bezeichnet.

Die Baumschule Daepp hat einen 10 Punkte-Katalog zusammengestellt, der die wichtigsten Tipps zur Bepflanzung der Terrasse umfasst.

Daepp-Methode für Balcony Gardening

1. An extreme Bedingungen anpassen
Heiss und trocken auf stark besonnten Balkonen und Terrassen. Schattig ohne Benetzung durch Regen in Loggias. Für diese Standorte die entsprechenden Pflanzen wählen.

2. Akzente setzen
Oft handelt es sich um kleine Flächen, daher ist die Gestaltung umso wichtiger. Zuerst mit grossen Elementen Akzente setzen. Grossbonsai oder solitäre Gehölze bilden Ankerpunkte.

3. Nicht nur das Design zählt
Bei der Auswahl der Gefässe sollte man zuerst auf die Funktionalität und die Eigenschaften schauen. Wetter- und Standfestigkeit sind wichtige Kriterien.

4. Gewicht reduzieren
Oftmals kommt man mit Bepflanzungen an die statischen Grenzen der Bauten. Vorgängig auf der Verwaltung oder beim Architekten klären wie hoch die Belastungswerte sind. Leichte Gefässe und leichte Erdsubstrate verwenden.

5. Bewässerung automatisieren
Das Erdvolumen als Wasserspeicher in Gefässen ist beschränkt und so reicht der Vorrat bei starker Besonnung nicht lange. Eine automatische Bewässerung ist daher zu empfehlen.

6. Entwässerung optimieren
Unten in die Gefässe eine Drainageschicht einbauen mit Blähton und Vlies. Einen Wasserüberlauf oberhalb der Drainageschicht anbringen. So kann der unterste Bereich auch als Wasserspeicher genutzt werden.

7. Für Nährstoffe sorgen
Nicht die schwere Landerde verwenden, sondern leichtere Substrate. Im März und je nach Pflanzen zusätzlich im Juni Langzeitdünger geben.

8. Achtung Wind
Hohe Gefässe und grössere Pflanzen an windexponierten Stellen sichern.

9. Vorsorge für den Winter
Da der Boden als Isolationsschicht wegfällt sollten die Gefässe isoliert sein. Zudem empfiehlt sich es den Wasserspeicher im Winter zu entleeren.

10 Liebe geht durch den Magen – Nutz- und Zierpflanzen mischen
Obst, Beeren und Gemüse lassen sich gut mit Ziergehölzen und Stauden kombinieren. Ernte und schönes Aussehen sind so optimal kombiniert.

Bild garten.ch: Isolierte Pflanzkübel helfen bei der Überwinterung frostempfindlicher Pflanzen.

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