
Zugegeben, nicht alle sind am liebsten faul. Schon gar nicht, wenn es um den Garten geht. Viele von uns betreiben den Garten sportlich, engagiert, ambitioniert, ehrgeizig und durchaus sachkundig!
Diese Menschen treiben die Gartenkultur voran, sie machen Gartenreisen, besuchen andere Gärten, sind wissbegierig, lernfähig, haben viele Fragen und viele Antworten, sind ständig auf der Suche nach neuen Pflanzen und streben nach einem immer noch schöneren Garten! All diese wissen schon viel und doch werden sie diesen Text lesen, weil sie eben Freude daran haben, sich mit Gartenthemen auseinanderzusetzen. Sie geniessen die Anwendung im Garten und sind erfüllt mit Selbstwirksamkeit, auch wenn sie manchmal abends Rücken haben, über die Schnecken schimpfen oder das Zuviel an Zucchini. Daneben, wirklich oft räumlich daneben, gibt es andere Bewohner einer Strasse, die können mit der Fläche ums Haus überhaupt nichts anfangen. Sie fühlen sich überfordert, belastet oder bedroht von allem, was wächst, in ihrer Freiheit eingeschränkt, wollen unabhängig von Rasenmäher und Gartenschlauch sein und am liebsten ihre Ruhe haben.

Irrtum der Gartenkultur
Es gab eine Zeit, da wurden solchen Menschen Schüttungen mit Schotter empfohlen – weil „pflegeleicht“ – mittendrin bestenfalls ein immergrünes Gehölz, das kein Laub abwerfen durfte. Graue Wüsten waren die Folge. Man kann sie heute noch finden, diese steinigen Vorplätze um Häuser, die im Sommer richtig heiss werden und nachts langsam die Hitze abgeben. Zwischen den Steinen sammelt sich allerlei einfliegender Unrat und im Lauf der Jahre siedelt sich doch Keimfähiges an und ärgert die Menschen, die sich einst für Leblosigkeit entschieden haben. Wenn man sie fragt, warum sie das eigentlich getan haben, antworten sie verlegen, dass sie es nicht besser wussten, aber dass sie jetzt auch nicht wissen, wie sie dem Malheur Herr werden können, ohne alles mühsam wegzuräumen, auszukoffern, zurückzubauen. Und richtig Arbeit machen soll der Garten weiterhin nicht. Aber schöner soll er werden, und kühler und nützlicher.

Gräser mögen es mager, können trocken und warm
Dann wäre doch eine Gräserlandschaft genau das Richtige, um der Schotterwüste Leben einzuhauchen. Ganz ohne Hinwendung geht es nicht, aber das Ergebnis macht den Aufwand mehr als wett. Im Handel gibt es längst ein grosses Sortiment Gräser und wer sich einmal mit ihnen auseinandersetzt, wird staunen, wie vielfältig die Arten und Sorten sind, wie farbig und wie unterschiedlich in der Textur und in den Formaten. Nicht alle Gräser sind grün, manche sind bläulich, wie der Blauschwingel (Festuca), manche sogar rotblättrig, wie das populäre japanische Blutgras Imperata ‚Red Baron‘. Auch Schilfgräser können ins Rötliche gehen, hier sind es aber eher die Blütenstände in der zweiten Jahreshälfte.
Gräser lassen sich sogar in den Schotter pflanzen, dafür hebt man Löcher aus, die ungefähr doppelt so tief sind wie das Gras im Topf steht, füllt etwas Erde hinein, eine Handvoll Hornspäne, löst die Wurzeln des Ballens mit den Fingern und setzt die Pflanze nicht tiefer als sie im Topf stand. Grosse Gräser nach hinten, kleinere dazwischen und davor. Ein Abstand von 30 bis 40 cm zwischen den Gräserpflanzen lässt ihnen Entfaltungsspielraum. Wer noch jetzt im Sommer pflanzt, sollte ein paar Tage lang gut giessen, damit die Pflanzen anwachsen und – Achtung Arbeit – er sollte auch in den ersten Wochen mögliche Beikräuter im Auge behalten und jäten. Die ersten Wochen sind wirklich die wichtigsten, wenn man danach wieder faul sein will. Dann entwickelt sich das Gräserfeld von alleine und macht in der zweiten Jahreshälfte schon viel her.
Gräser werden vom Wind bestäubt, sie sind also als Nahrungsquelle für Insekten keine erste Wahl. Aber sie sind gute Verstecke für Heuschrecken, Schmetterlingslarven, Käfer, auch Igel finden Unterschlupf und andere kleine Tiere auch. Ein nicht unerheblicher Beitrag für mehr Lebendigkeit und der Gärtner kann sich ausruhen und über die Metamorphose freuen. Wer sich und seine Mitmenschen zusätzlich überraschen möchte, der pflanzt im Herbst Blumenzwiebeln von Tulpen und Narzissen zwischen die Gräserhorste. Auch Salbei, Lavendel, Rosmarin oder Katzenminze, die es alle warm und trocken mögen, sorgen für extra Wow-Momente und vielleicht beginnt so eine grosse Liebe für den Garten! Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm! Hauptsache die Schotterwüste war gestern. Ja, zum Leben.

Also worauf noch warten?
Auf der Einkaufsliste für das sonnige Beet sollten trockenheitsverträgliche Gräser stehen wie die Sorten der Federgräser (Stipa), Reitgräser (Calamagrostis), Lampenputzergräser (Pennisetum), Blau-Schwingel (Festuca glauca). Weitere Informationen gibt es auf elegrass.com und elegardens.com.
elegrass
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