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Lubera zum Gesetz gegen gebietsfremde Organismen

Bild garten.ch: Opuntia humifusa steht auf der Watchlist

Invasive Neophyten gelten gemeinhin als Gefahr für die Biodiversität. Nun soll in der Schweiz die Verfolgung der "gebietsfremden Organismen" mit einem neuen Gesetz verstärkt werden, das sich derzeit in der Vernehmlassung befindet. Es ermöglicht letztlich das Verbot von Pflanzen – bei Strafen von bis zu 3 Jahren Gefängnis bei Zuwiderhandlung.

Gegen diese verschärfte Verfolgung ausländischer Pflanzen formiert sich nun Widerstand. Denn aus wissenschaftlicher Sicht sind sie eine Chance, um die Artenvielfalt angesichts des Klimawandels zu erhalten.  

Lubera, europaweit der grösste Züchter von Obst- und Beerenpflanzen und auch einer der grössten Pflanzenversender im deutschsprachigen Raum engagiert sich – als schweizerische Firma – aktiv im Kampf gegen die neue angedachte Gesetzgebung. Lubera Züchter und Gründer Marus Kobelt meint dazu: "Das ist keine Frage des Geschäfts. Aktuell hätten wir mit dem geplanten Gesetz kaum Umsatzeinbussen. Aber es geht um unsere Verantwortung für die Pflanze; und um die Zukunft unserer Lebensgrundlage 'Pflanze' in einer sich verändernden Welt. Als Züchter und Pflanzenliebhaber sind wir konsequent für mehr Vielfalt. Auch der Freiraum des Gartens und die Freiheit des Gärtners und Gartenbesitzers sind für uns ein zentrales Anliegen."  

Normalerweise beschäftigen sich Pflanzenzüchter Markus Kobelt und Gartenautorin Sabine Reber gärtnernd, züchtend und schreibend mit Pflanzen. Sabine Reber: "Wir reissen natürlich auch mal eine Pflanze aus, die uns an einem Ort stört. Das nennen wir Jäten. Aber wir versuchen nie, die fragliche Pflanze in ihrer Existenz zu vernichten. Denn Pflanzen sind die Grundlagen unser aller Leben: wir atmen ihre Luft und ernähren uns von ihnen." Aber genau das will der Bundesrat mit seinem neuen Gesetz gegen "gebietsfremde Organismen."  Markus Kobelt erläutert: "Angesichts des Klimawandelns sind wir darauf angewiesen, eine möglichst grosse genetische Vielfalt zu fördern (und nicht nur zu erhalten), und zu einer möglichst grossen Biodiversität tragen eben auch zugewanderte Pflanzen massgeblich bei. Darum ist es grundverkehrt, diese zu bekämpfen. Wir sollten sie vielmehr als Chance sehen!"  

Dazu kommen für die beiden Gartenexperten grundsätzliche gesellschaftliche und moralische Überlegungen. Kobelt: "In anderen Bereichen der Gesellschaft ist rassistisches Denken zu Recht verpönt und verboten. Dass fremde Pflanzen für die Biodiversität schlechter seien als Einheimische, ist ein Grundlagenirrtum. Alle Studien zum Thema zeigen vielmehr, dass die einheimische Flora zunimmt und vielfältiger wird, wenn neue Pflanzen von auswärts dazukommen."  

Nebst dem unterschwelligen Rassismus stören sich die beiden leidenschaftlichen Pflanzenexperten vor allem daran, dass das Gesetz sich über Fragen von Ethik und Moral stellt, und auch das Privateigentum antastet. Sabine Reber: "Wollen wir wirklich der Verwaltung überlassen zu entscheiden, welche Pflanzen "gut" und welche "schlecht" seien? Da wird eine neue Bürokratie herangezüchtet, die angesichts einer unlösbaren Aufgabe munter vor sich hinwuchern wird. Die als unliebsam definierten Pflanzen werden sich ja kaum an das Gesetz halten, und der Klimawandel lässt sich mit einem absurden Gesetz auch nicht stoppen." Und Markus Kobelt betont, das Gesetz verstosse gegen das Prinzip der Verhältnismässigkeit, denn: "Hier wird das Eigentumsrecht angetastet. Nicht mal mehr in unseren Gärten haben wir unsere Ruhe! Die Behörden können uns dann befehlen, was vernichtet werden muss. Überdies dürfen wir gemäss dem 'Verursacher'-Prinzip auch noch die Kosten der Vernichtungsorgien tragen. Ausserdem wird dazu aufgerufen, dass Nachbarn und Passanten die verbotenen Pflanzen melden sollen. Damit wird recht eigentlich ein neuer Spitzelstaat herangezüchtet. In meinem Garten will ich neue Pflanzen ausprobieren können, ohne dass ich gleich mit der Polizei zu tun habe!"  

Das neue Gesetz ist bis im September in der Vernehmlassung. Sabine Reber und Markus Kobelt haben dazu ein umfangreiches Dossier mit Fakten und Studien zusammengestellt. Dieses kann gratis auf den Webseiten von lubera.com oder sabinesgarten.ch heruntergeladen werden.

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