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Gartenschläfer – Tier des Jahres 2022

Maske, Schwanzquaste, grosse Ohren: Der Gartenschläfer ist unverwechselbar. (© Biosphoto / Frédéric Desmette)

Pro Natura kürt den Gartenschläfer (Eliomys quercinus) zum Botschafter für wilde Wälder und vielfältige Kulturlandschaften. Sie ruft damit zum besseren Schutz der Wildnis auf, insbesondere im Wald. Die Wahl des raren Nagers ist auch ein Hinweis auf die Grenzen der Anpassungsfähigkeit einheimischer Tierarten.  

Getreu seinem Namen schläft das diesjährige Pro Natura Tier des Jahres derzeit noch tief und fest. In Baumhöhlen und Felsspalten, aber auch in Mauern, Gebäuden und Höhlen überwintert der süsse Nager mit Zorromaske von Oktober bis April. Doch immer mehr Gartenschläfern droht im Frühling ein böses Erwachen.

Vom Wald in den Garten

Der Gartenschläfer kommt nur in Europa vor. Der Wald als sein ursprünglicher Lebensraum ist stark in Bedrängnis. Gerade mal 6.3 Prozent der Schweizer Waldfläche waren Ende 2018 als Waldreservate mit Vorrang für den Naturschutz gesichert. Bis 2030 will die Schweiz das bescheidene Ziel von 10 Prozent erreichen. Auf 90 Prozent der Waldfläche sollen weiterhin andere Prioritäten gelten als der Naturschutz. Vor dem Hintergrund der akuten Biodiversitätskrise ist das klar ungenügend. Der Gartenschläfer hat diesen Verlust nur dank seiner Anpassungsfähigkeit als sogenannter Kulturfolger überlebt. In traditionellen Kulturlandschaften mit grossen Gärten, Weidewäldern, Hecken und ausgedehnten Hochstammobstgärten fand er eine Ersatzheimat. 

Kulturfolger ohne Erfolg

Im 19. Jahrhundert kamen Gartenschläfer noch in allen Regionen der Schweiz vor und waren häufiger als ihre bekannteren Verwandten, die Siebenschläfer. Doch seit Jahrzehnten schrumpft ihr Bestand stark. Denn wenn der Gartenschläfer im April seine Nase aus der Höhle streckt, findet er oft weder wilde Wälder noch vielfältige Kulturlandschaften. Heute steht er deshalb aus globaler Sicht auf der Roten Liste (Kategorie «fast bedroht»). In der Schweiz gilt er noch als «nicht bedroht», obwohl inzwischen erhebliche Verbreitungslücken bestehen. 

Für Wildnis im Wald

Um das Überleben des Gartenschläfers und jener rund 25'000 Arten zu sichern, die auf Wildnis im Wald angewiesen sind, müssen Bund und Kantone mehr Waldreservate schaffen. Pro Natura leistet dazu ihren Beitrag. Rund 130 der gesamthaft über 700 Pro Natura Naturschutzgebiete sind Waldreservate, in vielen weiteren gibt es ebenfalls Waldflächen. In drei Regionen läuft zudem die «Aktion Spechte & Co.» zur Förderung der Waldbiodiversität auf regionaler Ebene. Pro Natura engagiert sich auch politisch für den Schutz des Waldes, mehr Artenvielfalt und weniger Zersiedelung – ein Gebot der Stunde in der Biodiversitäts- und Klimakrise, die auch uns Menschen an die Grenzen unserer Anpassungsfähigkeit bringt.

Bild: Maske, Schwanzquaste, grosse Ohren: Der Gartenschläfer ist unverwechselbar. (© Biosphoto / Frédéric Desmette)

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