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Faszination Bienen im Film

Mit seinem Dokumentarfilm „More than Honey“ unternimmt Markus Imhoof eine Reise in seine Vergangenheit, zu seinem imkernden Grossvater. Die Reise führt weiter um die ganze Welt und zeigt in faszinierenden Bildern, wie anderswo Bienen gehalten werden und woran sie kranken. Hoffnung gibt es für die todgeweihten Bienen aus dem fernen Australien.

Falls Albert Einstein recht haben sollte, dass nach dem Aussterben der Bienen, nach vier Jahren auch die Menschen folgen, müssten wir ernsthaft beunruhigt sein. Das Bienensterben schreitet rasch voran: Ein Drittel der Bestände ist nach dem Winter 2012 in der Schweiz eingegangen; bis zu 80 Prozent waren es in den USA.

Über die Hintergründe des Bienensterbens wird in den Medien jeweils nur kurz berichtet, so dass sie mysteriös bleiben. Als Hauptschuldiger wird meist die Varroa-Milbe genannt.

Gute Gelegenheit, mehr Einblick in die Art und Weise der Bienenzucht und die Hintergründe des Bienensterbens zu erhalten, bietet gegenwärtig der Film „More than honey“ von Markus Imhoof. Der Regisseur hat einen engen, familiären Bezug zur Bienenzucht. Sein Grossvater war  Inhaber einer Konservenfabrik und engagierter Imker. Wie sehr Gemüse- und Obstproduktion von der Arbeit der Bienen abhängt, wurde Markus Imhoof von klein auf beigebracht.

Jahre später machte sich der Regisseur auf die Suche nach Imkern in der ganzen Welt, die nach unterschiredlichen Methoden arbeiten. Eines ist (fast) allen Imkern gemeinsam: Sie kämpfen gegen Krankheiten der Bienen an.

John Miller betreibt eine industrielle Imkerei in den USA. Er zieht mit seinen 15'000 Völkern auf Lastwagen jeweils den blühenden Bäumen nach.

Industrielle Bienenhaltung macht krank

Dass die Bienen des industriellen Wanderimkers John Miller in den USA krank werden, ist nachvollziehbar.  Für ihn sind Bienen gutes Geld . Er zieht mit seinen „dancing ladies“ von Süden nach Norden, um zum Überwintern wieder nach Kalifornien zu rasen. Er sagt selbst: „Wenn mein Grossvater sehen würde, wie wir heute Bienen halten... Er wäre entsetzt.“ Bei seiner Art der Bienenhaltung macht man sich tatsächlich so seine Gedanken, zum Beispiel über industrielle Tierhaltung, Antibiotika-Rückstände im Honig und ähnliches.

Die Bienenschvölker sind Stress und Pestiziden ausgesetzt, werden nach Belieben auseinander gerissen und neu zusammengestellt. In den gigantischen Obstplantagen arbeiten sie unter dem Sprühregen von Pestiziden. Miller würde es vorziehen, wenn die Traktoren mit ihren riesigen Tanks nachts ausfahren würden. Doch das geht nicht: „Die Fahrer würden sich verirren in den riesigen Mandelbaum-Plantagen.“ Das ist keine Ausrede; die Plantagen sind tatsächlich gigantisch.

Und so wird tagsüber gespritzt. Miller beobachtet zwar nicht den unmittelbaren Tod der Bienen. Aber sie tragen den Giftcocktail in Pollen und Nektar in ihre Stöcke und verfüttern sie ihrer Brut. Geschwächte, kranke Bienen wachsen heran, die anfällig sind für weitere Schadorganismen.


Die Faszination Bienen ist vor allem in den Nahaufnahmen besonders augenfällig.

Die Mandelproduktion in Kalifornien wäre ohne die Arbeit der Bienen undenkbar. Alternativen? Etwa der Mensch als Blütenbestäuber? Was absurd erscheint, ist in manchen Regionen Nordchinas bereits Realität. Genosse Mao liess vor Jahrzehnten Pestizide ausbringen gegen Sperlinge. Sie verschwanden und mit ihnen auch gleich alle Insekten. Seither übernehmen Menschen die Arbeit der Bienen: Sie sammeln Pollen und bestäuben die Blüten. Die Arbeiterinnen und –arbeiter bepinseln die Narben der Blüten. Sie klettern zu fünft in den Obstbäumen herum und übernehmen, mehr schlecht als recht, die Arbeit der Bienen. Absurde Bilder sind das, aber leider doch real.


Im Norden Chinas werden Obstbäume von Hand bestäubt. Nicht sehr effizient, wie die Studie einer chinesischen Universität bestätigt: Bienen sind viel besser.

Andere Wege suchen

Fast überall auf der Welt sterben Bienen in grosser Zahl, ausser in Australien. Den Forschenden bietet dies die Möglichkeit, das Immunsystem der Bienen zu durchleuchten und Kreuzungen zwischen gesunden Hausrassen und Wildbienen vorzunehmen. Die Hoffnung besteht, dereinst neue, gesunde Völker heranzuziehen. Andrerseits besteht auch die Gefahr, dass neue Generationen von Killerbienen heranwachsen. Deshalb werden die Völker fernab der Zivilisation auf einer unbewohnten Insel ausgesetzt und beobachtet. Massgeblich beteiligt an dieser Forschungsarbeit sind Tochter und Schwiegersohn von Markus Imhoof, die in Australien leben.

Fred Jaggi imkert in den Bergen der Innerschweiz mit alten Landrassen. Seine Völker sind leider auch nicht unversehrt von Krankheiten.

Alternative Wege der Bienenhaltung werden aufgezeigt. Zum Beispiel Fred Jaggi, der in den Bergen der Innerschweiz mit alten Landrassen imkert. Die Idylle der Landschaft trügt, denn auch seine Bienenvölker sind nicht frei von Krankheiten. Die alten Rassen sind durch Inzucht geschwächt.

Heidrun und Liane Singer züchten in Österreich friedliche und fleissige Bienenrassen und versenden Königinnen oder ganze Völker in die halbe Welt.

Im fernen Arizona versucht sich Bioimker Fred Terry mit Killerbienen-Völkern, für die er voll des Lobes ist. Sie bringen grosse Erträge und sind sehr gesund. Natürlich ist eine gewisse Vorsicht geboten vor den aggressiven Bienen, die aus Kreuzungen afrikanischer Wildarten und europäischer Landrassen entstanden sind. Sie sind einst aus einem Versuchslabor in Brasilien ausgebüchst und haben sich in Süd- und Mittelamerika bis in den Süden der USA verbreitet.

Die Begattung der Königin findet im Flug statt. Sie wird jeweils von mehreren Drohnen begattet.

Ganz nah an den Bienen

Wenn nun des langen und breiten der Inhalt des Dokumentarfilmes beschrieben wurde, so ist das nur ein Teil von „More than Honey“. Beeindruckend sind die wunderbaren Makroaufnahmen von Bienen: Vom Leben im Stock, dem Bau der Waben, der Pflege der Brut, der Geburt einer Königin, der Begattung durch Drohnen im Flug, dem Schwänzeltanz. Nur schon diese Aufnahmen sind so faszinierend und ein ästhetischer Genss, dass sich ein Kinobesuch lohnt. Das Filmteam hat ein eigenes Bienenstudio aufgebaut, in dem 15 Bienenvölker gelebt und gearbeitet haben. So gelang es, zur jeweils passenden Jahreszeit, die Vorgänge im Stock, im Flug und auf den Weiden zu filmen. Insgesamt benötigte das Filmteam zwei Jahre, um den Lebenszyklus eines Bienenvolkes zu erfassen.

Text: Elisabeth Jacob
Bilder: Frenetic Films

More than honey, Dokumentarfilm. Buch und Regie: Markus Imhoof. Kamera: Jörg Jeshel, Makrokamera: Attila Boa, Verleih: Frenetic Films, Zürich.

Ab Woche 43 in den Schweizer Kinos.

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